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Niedrigerer Strompreis durch mehr Erneuerbare

Am 2.3. veranstaltete der ÖDP Kreisverband Landshut einen Online-Vortrag zum Thema „Stand der Energiewende mit Sonne und Wind“. Zum Einstieg stellte der Ergoldinger ÖDP Ortsvorsitzenden Dr. Max Huber den Redner, Herrn Josef Gold, kurz vor. Dieser gründete vor 30 Jahren eine Firma mit mittlerweile 50 Mitarbeitern, die Wind- und Photovoltaikanlagen projektiert und betreibt. Die Kernbotschaften in Golds Vortrag waren, dass zum einen der Hauptenergieträger der Zukunft Strom sein wird, den wir nachhaltig zu 100 % im eigenen Land erzeugen können. Und zum zweiten, dass der aktuell sehr hohe und steigende Strompreis hätte verhindert werden können, bzw. für die Zukunft reduziert werden kann, indem der Ausbau von erneuerbaren Energieträgern stark vorangetrieben wird.

Gold ging in dem Zusammenhang darauf ein, dass schon jetzt die Gestehungskosten für Strom mit Photovoltaik am geringsten sind, gefolgt von Windstrom. Demgegenüber liegen die Kosten für Strom aus fossilen Energieträgern aktuell etwa dreimal so hoch wie bei PV-Strom. Dies ist vor allem auf die hohen Rohstoffpreise, speziell für Erdgas, zurückzuführen. Gold erwartet, dass der Preis für Erdgas nochmal deutlich zulegt. Dies hat leider auch zur Folge, dass große Geldmengen in Länder abfließen, die dann das Geld in militärische Rüstung investieren, und sich wenig um Menschenrechte scheren.

Da der Börsenstrompreis durch die teuersten nötigen Erzeuger vorgegeben wird, ist auch mit einer weiteren Steigerung des Strompreises zu rechnen. Dies könnte am günstigsten gedämpft werden durch einen starken Ausbau von erneuerbaren Energien, so dass diese die teuren fossilen Energieträger verdrängen. Dass dies so ist, belegte Gold damit, dass in Deutschland mit seinem vergleichsweise hohen Anteil an Erneuerbaren der Börsenstrompreis niedriger ist als in vielen Nachbarländern. Einzig die skandinavischen Länder, Dänemark, Schweden und Norwegen, haben aufgrund ihres noch höheren Anteils an Erneuerbaren einen geringeren Börsenstrompreis, wodurch diese auch die einzigen Länder sind, von denen Deutschland in der Summe Strom importiert. Unterm Strich hatte Deutschland hingegen einen Exportüberschuss in diesem Februar von 13 % seines erzeugten Stroms.

Gold führte weiter aus, dass die erwartete Verbrauchskurve für Strom sehr gut mit einer Kombination aus zwei Dritteln Windkraft und einem Drittel Photovoltaik abgedeckt werden kann. So ist der Ertrag von Windkraftanlagen im Winter am höchsten, wo auch der höchste Strombedarf ist, und der niedrigere Ertrag von Windkraft im Sommer kann mit Photovoltaik ausgeglichen werden. Dadurch ist ein Kraftwerkpark mit möglichst geringem Speicherbedarf möglich. Zudem kann der Speicherbedarf durch Steuerung des Verbrauchs passend zur Erzeugung reduziert werden.

Im Ausbau der Photovoltaik sieht Gold kein größeres Problem. Hier sind genügend Flächen vorhanden. Er erläutert, dass allein die Fläche, die benötigt wird, um 3 % der bei uns weggeschmissenen Lebensmittel herzustellen, genügen würde, um den Bedarf an PV-Flächen zu decken. Oder, es könnte ein Teil der Flächen, die aktuell für Energiepflanzen wie Mais verwendet werden, umgenutzt werden. Dies wäre auch ökologisch sinnvoll, da die Artenvielfalt bei PV Anlagen deutlich höher ist als bei Mais-Monokulturen. Gold führt dazu aus, dass mit Photovoltaik 75 mal soviel Energie auf der gleichen Fläche erzeugt werden kann wie mit Energiepflanzen.

Um die Windenergie weiter auszubauen, ist laut Gold die Abschaffung der 10 H Regelung essentiell. Nur so können die Anlagen möglichst breit über das Land verteilt werden. Dies trägt erheblich zur Stabilität der Stromerzeugung bei, da so Windflauten in einer Region ohne weiteres ausgeglichen werden können.

Von der Anzahl der Windkraftanlagen ist Deutschland bereits gut aufgestellt. Allerdings muss die Leistung pro Anlage steigen. Allein mit deutschlandweit 3500 zusätzlichen Anlagen der 6 MW Klasse wäre der zukünftige Strombedarf zu decken. In der Region Landshut hält Gold prinzipiell Erhebungen ab 480 m für sinnvoll und wirtschaftlich zur Erzeugung von Windstrom.

Der Verlängerung der Betriebsdauer von Kernkraftwerken und Kohlekraftwerken erteilte Gold eine Absage. Speziell Kernkraftwerke sind nicht geeignet, die zukünftig benötigte Regelenergie bereitzustellen. Hingegen ist es sehr einfach, einzelne Windkraftanlagen oder PV-Anlagen vom Netz zu nehmen oder zuzuschalten, wodurch sich diese gut zum Regeln eignen. In diesem Zusammenhang räumte Gold auch mit dem Vorurteil auf, dass die Stabilität der Stromversorgung gefährdet ist, wenn mehr erneuerbare Energieerzeuger in das Netz einspeisen. Es ist genau andersherum. Die Zahl der Netzausfälle war in den letzten Jahren niedrig wie nie, und die wenigen Ausfälle wurden durch konventionelle Kraftwerke oder Spekulationen an der Börse verursacht. Auch den Zappelstrom gibt es nicht, wenn man einen Verbund aus vielen kleinen Erzeugern betrachtet.

Ebenso sieht Gold im Ausbau des Gasnetzes eine Verschwendung von Ressourcen. Biogas oder Biowasserstoff ist und wird zu kostbar sein, um in Heizungen verbrannt zu werden. Einzig bei Verwendung in Blockheizkraftwerken, die Strom produzieren und die Abwärme nutzen, sieht er ein gewisses Potential. Für Neubauten hingegen und gedämmte Häuser sind Wärmepumpen am sinnvollsten, so dass auch der Bedarf an Wärmeenergie mehr und mehr mit Strom gedeckt werden wird.

Gold ging auch auf die Vorteile von Elektrofahrzeugen ein. So wird allein für die Herstellung von Benzin gut 20 % der später nutzbaren Energie verbraucht. Bei synthetisch erzeugtem Treibstoff ist sogar das 2,5 fache an Energie zur Herstellung nötig. Der Wirkungsgrad im Motor beträgt dann ebenfalls nur gut 25 %. Somit sieht Gold keine wirtschaftliche Chancen für synthetisch erzeugte Kraftstoffe für Fahrzeuge. Gold präsentiert weitere Zahlen dazu. So sind die durchschnittlichen Kosten für ein E-Auto mit Batterie 4 € pro 100 km, wo hingegen ein Benziner auf 12 € pro 100 km kommt. Bei synthetischen Kraftstoffen wäre dies nochmals deutlich höher. Auch energetisch ist der Einsatz von Batterien in Autos am sinnvollsten. So würde dreimal so viel Energie benötigt beim Einsatz von Wasserstoff, und sogar viermal so viel beim Einsatz von synthetischen Kraftstoffen.

Ungeachtet der vielen Möglichkeiten ist Gold überzeugt, dass ein wichtiger Baustein für die zukünftige Energieversorgung auch eine Reduzierung des Verbrauchs ist. Dies ist die günstigste und am schnellsten umzusetzende Maßnahme von allen.

Am Ende seines Vortrags läutete Gold noch eine Fragerunde ein. Die Teilnehmer beteiligten sich an einer regen Diskussion, moderiert von Dr. Huber, der dann auch die Veranstaltung beendete.

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