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ÖDP fordert naturnahen, dezentralen und integrativen Hochwasserschutz – Landwirte sind die wichtigsten Partner

In einer Online-Veranstaltung des ÖDP Kreisverbands stellte Otto Baronky, Bodenkirchen, das Fünf-Stufen-Konzept der ÖDP zum Hochwasserschutz vor, welches er selbst mitverfasst hat.  Seit der Hochwasser-Katastrophe in Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Juli 2021 ist klar geworden, dass im Hochwasserschutz nicht Sachwerte, sondern der Schutz von Leib und Leben zur höchsten Priorität geworden ist. Daran müssen sich künftige Schutz- und Handlungsmaßnahmen ausrichten, so der Referent. Hochwasserschutz muss mehr sein als die Verhinderung von Überflutungen. Die Aufmerksamkeit bei Starkregen sollte vielmehr auf natürliche oder naturnahe Bereiche gerichtet sein, in denen Überschwemmungen zugelassen werden, um im besiedelten Bereich schwere Sachschäden zu begrenzen und Menschenleben zu schützen. Da es keinen absoluten Schutz vor Hochwasser gibt, müsse, so Baronky, Hochwasserschutz in Zukunft auf den Flächen anfangen. Der zentraltechnische Hochwasserschutz stößt bei Starkregen-Ereignissen ansonsten sofort an seine Grenzen. Dort wo der erste Regentropfen auf den Boden auftritt, muss gedanklich der Hochwasserschutz beginnen, so die ÖDP in ihrem 12-seitigen Hochwasser-Schutz-Konzept. 

Es geht nach Meinung der ÖDP letztlich darum, einen Ausgleich zwischen zu viel und zu wenig Wasser in unseren Breitengraden zu finden. Jeder Kubikmeter Wasser, der nicht sofort zum Abfluss kommt, entlastet bei Hochwasser und ist gleichzeitig ein Gewinn für den Natur- und Wasserhaushalt bei Hitzewellen und Trockenwetterperioden.

Das naturnahe Hochwasserschutzkonzept der ÖDP sieht einen fünfstufigen Schutz vor, um im besiedelten Bereich schwere Sachschäden zu begrenzen und Menschenleben zu schützen. Dazu gehört für die ÖDP auch eine Bringpflicht seitens der Behörden gegenüber der Allgemeinheit. Sie bezeichnet dies als „Beschützer-Garanten-Pflicht“, um dem Hin- und Herschieben von Zuständigkeiten zwischen den Behörden Einhalt zu gebieten. Baronky untermauert diese Forderung mit dem Ausspruch eines Feuerwehrkommandanten: „Planungsfehler kann man nicht wegpumpen!“

Naturnaher Hochwasserschutz ist, so die ÖDP, direkter Klimaschutz, da er durch die Vernetzung der verschiedenen Bereiche die Aufnahmefähigkeit des Bodens für Wasser erhöht und somit Kleinklimazonen schafft, welche die Biodiversität und damit auch die CO2-Aufnahme des ganzen Ökosystems verbessert und stärkt. Durch die Erderhitzung nehmen Extremwetter-Situationen zu, damit werden neben Starkregen-Ereignissen auch Trockenwetter-Perioden und Hitzewellen zu einer wachsenden Gefahr für den Menschen.

Die ÖDP Kreisrätin und Biobäuerin Renate Hanglberger betont die Rolle der Landwirtschaft für die Umsetzung des naturnahen Hochwasserschutzes. Die Landwirte seien im ÖDP Positionspapier die wichtigsten Partner. „Je gesünder und humusreicher der Boden, desto höher ist die Qualität unserer Lebensmittel und des Trinkwassers. Ebenso ist eine hohe Wasseraufnahmefähigkeit und eine gute Wasser-speicherkapazität untrennbar mit einem gesunden und lebendigen Boden verbunden“, erklärte die Bäuerin. Eine nachhaltige, vielfältige und regenerative Wirtschaftsweise sind erprobte Wege, um unsere Böden fit zu machen. Die Landwirte sollen für ihre Leistung als „Wasserwirte“ so vergütet werden, dass sie selbst ein großes Interesse an der Umsetzung auf der eigenen Fläche haben.

Nach einer lebhaft genutzten Frage-Antwort-Runde bedankt sich der ÖDP Kreisvorsitzende Heiko Helmbrecht bei Baronky für den informativen und motivierenden Vortrag und fasst zusammen: „Das vorgestellte Konzept verknüpft auf ideale Weise die Grundanliegen der Ökologisch-Demokratischen-Partei, die sie seit ihrer Gründung 1982 vertritt: den Schutz der Artenvielfalt und der Ökosysteme, und damit auch des Klimas.“

Die Illustration verdeutlicht die Vorteile für die Verlangsamung der Abflussgeschwindigkeit und die Erhöhung der Biodiversität, wenn wir Begradigungen für unsere Fließgewässer zurückbauen, unter Schaffung vieler kleiner vernetzter Retentionsräume. (Bild: Grafikstudio Art und Weise, Brückner)

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