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Markt Ergolding verschleppt die Energiewende

In Zeiten, in denen auf verschiedenen Ebenen beschlossen wird, in absehbarer Zukunft klimaneutral zu werden, entscheidet sich die Marktgemeinde Ergolding für den Ausbau der Infrastruktur für fossile Energien.

Am Dienstag fand die Sitzung des Marktgemeinderates Ergolding statt. Ein Punkt auf der Agenda war der Antrag des ÖDP Marktgemeinderates Helmut Lackermeier, zukünftig auf die Erschließung von Neubaugebieten mit Erdgas zu verzichten. Dem Antrag stimmten die ÖDP Gemeinderäte zu, alle anderen lehnten ihn ab. Das Argument, dass moderne Neubauten nur noch einen geringen Wärmebedarf haben und dieser mittlerweile sehr effizient mit alternativen Energiequellen bedient werden kann, verfing nicht. Es ist mittlerweile Stand der Technik, Neubauten standardmäßig mit Wärmepumpen, am besten kombiniert mit Photovoltaik, auszurüsten. Die Folgerung daraus ist, dass immer weniger Bauherren eine Gasheizung wählen, und daher die Rentabilität eines neuen Gasnetzes fraglich ist.

Das Statistische Bundesamt weist einen Rückgang des Anteils von Gasheizungen bei Wohnungsneubauten von 53 % im Jahr 2016 auf 43 % im Jahr 2018 aus. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich diese Entwicklung nicht fortführt. Eher ist mit einer Beschleunigung zu rechnen, speziell mit Hinblick auf die neu eingeführte CO2 Bepreisung auch für Erdgas. Dabei ist noch gar nicht bedacht, dass die EU mit einer Ausnahme bis 2050 die Verbrennung fossiler Energien komplett einstellen möchte.

Doch es scheint, dass sich Ergolding diesem Trend entgegenstemmen will. Leidtragende sind die Bauherren, die sich für regenerative Energiequellen entscheiden, trotzdem aber die Erschließungskosten von etwa 2200 € für Erdgas zahlen müssen. Interessant ist die Entscheidung auch dahingehend, dass sich selbst die Gemeinde beim Bau des neuen Kindergartens in Käufelkofen für eine Wärmepumpe als Energiequelle entschieden hat. Hier liegt man im Trend, da 2018 bereits knapp die Hälfte aller Wohnungsneubauten auf erneuerbare Energien als primären Energieträger setzten.

Natürlich ist das gebrachte Haupt-Gegenargument auf den ersten Blick einleuchtend, dass den Bauherren eine möglichst große Auswahl an Energieträgern zur Verfügung gestellt werden soll. Allerdings kann man eine Gasheizung auch über einen lokalen Tank betreiben. Damit würden die Nachbarn nicht auch mit zur Kasse gebeten. Und bei dieser Argumentation ist es verwunderlich, dass der Gemeinderat sich nicht gleichzeitig auch für den Aufbau eines Nahwärmenetzes stark gemacht hat. Dies hätte die Auswahl nochmal erweitert.

Ein weiteres Gegenargument, dass speziell Wärmepumpen bei langen Kälteperioden Unterstützung durch fossile Energien braucht, wiederlegt die Praxis.

Für das neue Baugebiet in Käufelkofen soll extra eine Leitung bis in den fünf Kilometer von Ergolding entfernten Ortsteil gelegt werden. Ob sich diese auch rechnet, wenn nur ein Bruchteil der Häuser an das Netz angeschlossen werden, blieb in der Sitzung offen. Betreiber ist hier der Energieversorger EVE, bei dem der Markt zu einem Viertel Mitgesellschafter ist. Es bleibt daher zu hoffen, dass sich diese Investition nicht negativ auf die bisher guten Renditen auswirkt. Schlussendlich ist das auch wieder das Geld der Gemeindebürger.

Ein weiteres angeführtes Argument im Antrag war die Tatsache, dass man mit Erdgas Spielball der großen Mächte bleibt. Dies war gerade in den letzten Wochen eindrucksvoll in den Medien zu verfolgen. Demgegenüber hätte man mit regenerativen Energiequellen die Chance, die lokale Wertschöpfung zu erhöhen.

Schön wäre es gewesen, wenn sich Ergolding ein Beispiel an der Nachbargemeinde Furth nehmen würde. Diese hat schon 1999 beschlossen, auf 100 % erneuerbare Energien umzusteigen. Bereits 2015 wurden in Furth über 80 % der Wärme und über 80 % des Stroms lokal erneuerbar erzeugt. Davon ist Ergolding noch sehr weit entfernt.

ÖDP Ergolding


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