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15.03.2018

Wohnen hinter grauen Gefängnismauern

ÖDP-Stadträtinnen besichtigen das neue Übergangswohnheim in der alten JVA

Die ÖDP-Stadträtinnen Elke März-Granda und Christine Ackermann haben sich einen Eindruck von den Zimmern verschafft.

Aus der "Landshuter Zeitung" vom 13. März 2018 (Ingmar Schweder):

Die Gefängnismauern und die alte Justizvollzugsanstalt, von denen das neue Übergangswohnheim (ÜWH) an der Wittstraße eingeschlossen ist, verbreiten graue Tristesse. Hinter fünf Meter hohen Gefängnismauern steht das neue Heim für Flüchtlinge und Spätaussiedler. Moralisch verwerflich, alles im Rahmen oder purer Luxus? Die Landshuter Zeitung hat sich gemeinsam mit den ÖDP-Stadträtinnen Elke März-Granda und Christine Ackermann umgesehen.

Zweckmäßig und zentrumsnah: So könnte man das neue ÜWH auf dem Gelände der alten Justizvollzugsanstalt (JVA) beschreiben. Dies ist gestern bei einer ersten Begehung deutlich geworden, die die ÖDP-Stadträtinnen Elke März- Granda und Christine Ackermann initiiert hatten. In den nächsten Wochen werden schrittweise 75 Migranten mit gesichertem Aufenthaltsstatus vom ÜWH an der Niedermayerstraße in das Wohnheim auf dem alten JVA-Gelände einziehen. Ganz überwiegend Familien mit Kindern. Dabei handelt es sich um Kontingentflüchtlinge aus Afghanistan und Syrien. Hinzu kommen deutsche Spätaussiedler aus der Ukraine, Kasachstan, Russland und Aserbaidschan.

Die Zimmerausstattung ist neu, beschränkt sich aber pro Zimmer mit Spinde, kleinen Betten, einem Gemeinschaftstisch mit Stühlen und einem Fernsehanschluss auf das Nötigste. Internet gibt es noch nicht. Es gibt Zweier- und Viererzimmer, aber auch Verbundzimmer mit Durchgang – für größere Familien. In beiden Häusern befindet sich im Erdgeschoss und im ersten Stock jeweils eine Gemeinschaftsküche und eine Waschküche. Das Bad und die Toiletten sind getrennt – auch für Männer und Frauen. Dass der Putzplan eingehalten wird, darum wird sich Heimleiter Bernhard Glade kümmern. Der Verein ZAK kündigte an, ein Betreuungsangebot für Kinder ermöglichen zu wollen. Auch eine Migrationsberatung vor Ort steht im Raum.

Den Familien, die dort künftig wohnen sollen, wird es also nicht an Ausstattung fehlen. Heimelig wird es aber auch nicht werden – muss es auch nicht. Das ÜWH ist vielmehr als Starthilfe zu sehen. Sämtliche Migranten, die dort einziehen werden, besitzen den gesicherten Aufenthalts- Status. „Den Familien steht es also frei, selbst auf dem Wohnungsmarkt aktiv zu werden“, sagt Regierungssprecherin Katharina Kellnberger. Bei einer Familie habe das bereits geklappt. Die Regierung von Niederbayern kommt mit dem Neubau ihrem Auftrag nach, Flüchtlingsunterkünfte in Landshut zu schaffen. Da sie für die Verteilung der Flüchtlinge zuständig ist, hat der Umzug in die alte JVA den Vorteil, dass mit dem Umzug die bisherige Doppelstruktur aus ÜWH und Gemeinschaftsunterkunft an der Niedermayerstraße beendet werden kann. Das freigewordene ÜWH an der Niedermayerstraße 87 wird umgewidmet und Teil der dortigen Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber.

Der Bau hinter Gefängnismauern stand bisher unter keinem guten Stern: Es gab denkmalschutzrechtliche Bedenken, Zeitverzögerungen, auch der Vorwurf von der Verschwendung von Steuergeldern und des Schwarzbaus standen im Raum. Mit dem Neubau ist das Areal für zehn Jahre belegt – er gilt als möglicher Theaterstandort. Kürzlich wandten sich einige, die dort bald einziehen werden, mit einem offenen Brief an die Regierung (LZ berichtete): Rund 25 Flüchtlinge baten, in ihrer bisherigen Unterkunft bleiben zu dürfen. Umgezogen wird trotzdem, trotz mancher moralischer Bedenken. März-Granda: „Wichtig ist doch, dass es die Menschen warm haben und ein Dach über dem Kopf. Eine zentrale Unterkunft erleichtert die Integration.“