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09.10.2017

Geplanter Uranbergbau bedroht Existenz

Umwelt-Referenten aus Tansania berichteten bei der ÖDP Landshut von ihrem Engagement.

v.l.n.r.: ÖDP-Kreisvorsitzender Lorenz Heilmeier dankte den tansanianischen Referenten. Martin Kurz aus Crailsheim konnte dank seines Fachwissens die Ausführungen exakt und gut verständlich übersetzen, Organisatorin Lilo Horsch

Am Sonntag, den 01. Oktober, hatte die ÖDP zum Vortrag zweier weit gereister Gäste eingeladen: Anthony Lyamunda und Wilbert Mahundi, die in den vergangenen Wochen europaweit auf verschiedenen Tagungen auf ihr Engagement gegen den geplanten Uranabbau in Tansania aufmerksam machten, berichteten im Ergoldinger Gasthaus "Zur Kraxn".

Anthony Lyamunda stammt aus einem 200 Quadratkilometer großen Fischerei- und Reisanbau-gebiet, in dem Uran gefunden wurde. Er berichtete, die Universität der Hauptstadt Dodoma versuchte mit Hilfe ausländischer Organisationen wie dem deutschen Naturschutzbund NABU und der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Kriterien zu erarbeiten, um von der UNESCO für dieses einzigartige Gebiet den Schutz-Status  "Biosphere Reserve" zu erhalten, um somit Schlimmeres, nämlich den Abbau des Urans, das sich ca. 6 Meter unter der Oberfläche befindet, zu vermeiden. Die Regierung Tansanias unter ihrem neuen Präsidenten John Magafuli versuche derzeit, ein neues Bergbaugesetz auf den Weg zu bringen, das dazu führen soll, dass die Nationalregierung an den Gewinnen aus dem Bergbau beteiligt wird. Er informierte auch darüber, dass die Regularien des Uranabbaus durch EU-Gelder verbessert werden sollen, dass beispielsweise der Hafen zum Abtransport des radioaktiven Materials nicht sicher genug und für keine Strahlungssicherheit gesorgt sei. Der momentan niedrige Uran-Preis hätte bisher verzögert, dass die Bergbaukonzerne bereits Uran abbauen würden, so dass bisher nur Erkundigungen stattfänden.  Bei ihrem Besuch im Europaparlament in Straßburg erfuhren die beiden Umweltvertreter, dass die europäische Kommission von der tansanianischen Regierung die Einbindung der Zivilgesellschaft fordere. Das Thema Uranabbau werde weltweit sehr kontrovers behandelt. Ein Großteil der internationalen Gemeinschaft sehe ihn mit großer Sorge, da er letztlich die Grundlage zur Produktion von Atomwaffen gerade in Ländern wie Nordkorea sei, und Krebserkrankungen auch bei der friedlichen Nutzung durch die Strahlenbelastung beim Abbau, Transport, der Verarbeitung und Endlagerung des Atommülls verursache. Vor mehr als zehn Jahren hätten viele Länder den Ausbau der Atomenergie mit dem Argument, sie würde kein CO2 verursachen, forciert. Seit Fukushima und mit der zunehmenden Erkenntnis der Vorteile von erneuerbarer Energie sähen dies viele Regierungen differenzierter.

Wilbert Mahundi berichtete von den Funden in seiner Heimat am Rande des großen Selous-Nationalparks. Er arbeitet für TUAM, einem Konsortium aus verschiedenen einheimischen Menschenrechtsorganisationen, das die Bevölkerung darüber informiert, welche fatalen Folgen der Uranabbau für sie hätte. Würde es  zum Abbau kommen, wäre vor allem das Trinkwasser der Bewohner dieses Gebiets akut gefährdet - während die Bergbaukonzerne versuchten, durch Informationsveranstaltungen in den Dörfern den geplanten Uranabbau positiv darzustellen. Sichtlich bewegt über das Erlebte berichtete Wilbert Mahundi  zuletzt über seine traumatischen Erfahrungen in einem malawischen Gefängnis: gemeinsam mit sieben anderen Umweltaktivisten war er ins Nachbarland Malawi gereist, um eine Uranmine zu besichtigen. Obwohl sie dazu eine offizielle Erlaubnis eingeholt hatten, wurden sie auf dem Weg zur Mine von malawischen Sicherheitsbeamten mit der Begründung, sie seien der Spionage verdächtigt, verhaftet und ins Gefängnis gesperrt. Erst nach dramatischen vier Monaten der Ungewissheit bekamen sie endlich ein Gerichtsverfahren und wurden frei gesprochen. Wilbert Mahundi sprach abschließend seinen Dank darüber aus, dass Menschen aus aller Welt an die malawische Regierung und die malawische Botschaft Petitionen zu ihrer Freilassung gesandt hätten, was letztlich die Verantwortlichen zum Einlenken bewog.

Viele Fragen aus der Zuhörerschaft konnten die beiden beantworten, unter anderem nach der politischen Stabilität der Abbauländer, der Gefahr des illegalen Abbaus sowie nach dem Uran-Gehalt der tansanianischen Lagerstätten: Bisher seien Niger und Namibia die Haupt-Uranlieferanten, weil bei den dort gefundenen Vorkommen der Uran-Gehalt wesentlich höher wäre als in den tansanianischen Lagerstätten,  wo er sich im Zehntel-Promille-Bereich befände.

 

 

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