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07.10.2017

Digitalisierung und Vernetzung begünstigen Konzentrationsprozesse in der Wirtschaft

Mitglieder der Landshuter ÖDP fanden sich letzten Donnerstag (26.9.2017) zu ihrem regelmäßigen Treffen zusammen. Nachdem Elke März-Granda die Anwesenden zur öffentlichen Sitzung begrüßte wurde neben einigen lokalen Themen Winfried Wiesnet gebeten zum Thema zu berichten „Medien im Jahre 2017“.

Da Digitalisierung und Vernetzung immer mehr alle Lebensbereiche durchdringen und Medienangebote und Mediennutzung verändern hielt es Kreisvorstandsmitglied Winfried Wiesnet erforderlich im Ortsverband hierfür Aufmerksamkeit zu wecken. Er hatte sich längere Zeit mit diesen Fragen beschäftigt und hat in seinem beruflichen Werdegang damit zu tun.

Um die heutige Entwicklung richtig einschätzen zu können verwies Wiesnet zuerst auf die 70 er und 80 er Jahre des letzten Jahrhunderts. Anfangs der 70 er  hatte der US-staatliche Konzern AT&T lange Zeit eine Monopolstellung in den USA und Kanada. Daher war die Firma auch lange die größte Telefongesellschaft der Welt und der weltgrößte Kabelfernsehbetreiber. In einem langjährigen Kartellverfahren das vom US- Justizministerium ausging wurde der Monopolist zerschlagen. Am Kommunikationsmarkt entstand weltweit eine Privatísierungswelle. In Zuge dessen wurde in Deutschland die Deutsche Bundespost privatisiert. Ein Ergebnis war die Deutsche Telekom AG.

Kritisch bemerkte Wiesnet, dass neben den Vorteilen die Gefahren der Digitalisierung und Vernetzung gerade auch darin liegt, dass Konzentrationsprozesse in der Wirtschaft begünstigt werden, entstanden sind oder sich weiterentwickeln.

Aber Marktwirtschaft lebt ja gerade davon dass Machtmonopole vermieden werden, erklärte Wiesnet. Nur so kann sich Angebot und Nachfrage bei angemessenen Marktpreisen entwickeln. Die privatorganisierten Riesenkonzerne wie Google Inc. und die Firma Facebook Inc. haben weltweitgesehen aber heute eine erheblich größere Marktmacht als damals AT&T. Wer Social Media heute nutzt kommt an Facebook nicht mehr vorbei. Und so entwickeln sich lawinenartig die Riesenkonzerne und es droht dass die Marktkonkurrenz aus dem Markt gänzlich verschwindet.

An einem Beispiel machte Wiesnet deutlich, dass dies neben wirtschaftlichen auch gesellschaftspolitische Bedeutung hat. Facebook ist werbefinanziert und hat ähnlich wie die Einschaltquoten beim privaten Rundfunk das Bestreben möglichst oft und lang von Nutzern in Anspruch genommen zu werden. Das schafft in der digitalen Welt ein Konzern unter anderen mit seinen automatisierten Algorithmen. Facebook möchte dass der Nutzer sich auf seinen Seiten wohlfühlt. Die Nutzer werden in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe erhält nur seine eigenen „Wohlfühl – Nachrichten“. Als mögliches Beispiel um seine Aussagen zu verdeutlichen nannte Wiesnet: Erkennt Facebook durch das Nutzerverhalten, dass ein Anwender seit kurzem alleine lebt, kann es durchaus sein, dass dieser von einem Facebook- Freund der heiratet nichts erfährt. Es könnte ihn ja  gefühlsmässig nicht gut tun. Für die Werbeindustrie ist Social Media ein wunderbares Mittel um sehr zielgerichtet Werbung betreiben zu können.

Leider sind diese Algorithmen nur Facebook bekannt und werden als Betriebsgeheimnis gehütet. Sie sind dadurch auch der öffentlichen Kontrolle entzogen. Die gesellschaftlichen Gefahren sieht Wiesnet darin, dass sich die Spaltung der Gesellschaft hierdurch vertieft und ein miteinander eher schwerer wird. Jede Gruppe von Menschen lebt immer mehr in seiner eigenen Gefühlswelt. Wohin dieser Weg führt wissen wir als Gesamtgesellschaft alle noch nicht. „Die Politik aber wird sich dadurch immer schwerer tun alle Menschen zu erreichen“, meint Wiesnet.